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Remstal
Gartenschau 2019

Geschichtliches aus Walkersbach

Ein ehemaliger Glasmacherflecken mit einer vielhundertjährigen Vergangenheit

Rund 10 km von der Muttergemeinde Plüderhausen entfernt liegt in einem Seitental des Welzheimer Waldes, links und rechts des gleichnamigen Baches, der Teilort Walkersbach. Der seit 1807 mit der Gründung des Oberamts Welzheim zu Plüderhausen gekommene Flecken hat eine über 750jährige Geschichte.

1262 wird Walkersbach erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich liegt die Gründung noch weit vor dem angegebenen Jahr. Dafür spricht der Ortsname, für dessen Entstehung es verschiedene Möglichkeiten gibt. Sie führen fast alle zu den Wörtern zurück, die entweder dem Gotischen, dem Westgermanischen oder dem Althochdeutschen entstammen. Da sich aber in der Vergangenheit recht unterschiedliche Schreibweisen des Ortsnamens finden – Walkersbach – Walckerspach – Walckeursbach – lassen sich die Ursprünge desselben nur vermuten. Die Namenserklärungen stellen also Spekulationen dar, die nicht nachweisbar sind.

Walkersbach
Walkersbach
Walkersbach
Walkersbach

Das Wasser des Walkersbaches entspringt unterhalb des Gläserfeldes bei Breitenfürst, nimmt dort sogleich den Schautenbach und beim Haselhof den Kühnenbach auf. Ungefähr 5 km vom Ort entfernt mündet der Walkersbach unterhalb von Weitmars in die Rems.

Die nächste urkundliche Erwähnung von Walkersbach stammt aus dem Jahr 1523. Schon damals stand eine katholische Kapelle in Walkersbach, die – wie auch die Kirche in Haubersbronn – zu Oberurbach gehörte. Der Kirchensprengel von Oberurbach und Plüderhausen waren Besitztümer des Benediktinerklosters Elchingen bei Ulm. Die Reformation war um diese Zeit bereits in vollem Gange. Am 12. September 1536 entschlossen sich der Konvent und der Abt alle urkundlichen Rechte von Urbach, Haubersbronn und Plüderhausen Herzog Ulrich von Württemberg gegen jährlich 21 Fuder Wein aus der Kellerei Schorndorf zu verkaufen. Schon wenige Tage danach wurde Walkersbach zusammen mit der Muittergemeinde Oberurbach evangelisch.

Der 30-jährige Krieg

Schwer hat der 30jährige Krieg in unserer Heimat gewütet. Besonders schlimm müssen es die kaiserlichen Truppen nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 gehaust haben. Einer der Heerhaufen brannte das Kirchlein in Walkersbach völlig nieder. Sicherlich haben sie im ganzen Ort Feuer gelegt. Das Ausmaß des Elends, das damals über die Bewohner hereinbrach, können wir heute kaum ermessen. Viele Walkersbacher wurden auch durch die eingeschleppte Pest dahingerafft.

Not, Unruhe und Gefahren durch ansteckende Krankheiten nahmen kein Ende. Unterschlupf und Sicherheit suchte man in den Wäldern um den "Geiststein". 1805 hatte Walkersbach unter französischen Truppen Napoleons erneut zu leiden. Sie vermuteten in Walkersbach eine reiche Fabrikstadt ("Walkersville") und ein fürstliches Schloss. Andern Tags waren die anrückenden 3000 Soldaten nicht wenig enttäuscht, als sie nur ein paar Häuslein in der engen Talschlucht vorfanden. Die minimalen Vorräte an Mehl, Kartoffeln und Milch waren schnell konfisziert und das wenige Vieh geschlachtet. Im ganzen Dörflein blieb nur eine einzige Kuh und eine Ziege verschont, da der General angeblich für seine Frau und für sein kleines Kind stets frische Milch haben wollte. Am nächsten Tag zogen die Franzosen talabwärts in Richtung Lorch. Sie nahmen aber alle Gerätschaften und alles Essbare mit, sodass nur Not und Elend im Walkersbacher Tal zurückblieben.

Aber auch der deutsch-französische Krieg 1870/71 und die beiden letzten Weltkriege forderten zahlreiche Opfer und Entbehreungen. Eine Gedenktafel in der Kirche und das im Jahre 1960 eingeweihte Ehrenmal auf dem Friedhof erinnern an sie. Walkersbach wurde am 19. April 1945 von den Amerikanern kampflos besetzt.

Die Walkersbacher Glashütte

Die Glashütte von Walkersbach wird erstmals im Jahre 1508 urkundlich erwähnt. Der genaue Zeitpunkt ihrer Errichtung muss im Dunkeln bleiben, zumal in der herzoglichen Steuerliste eine solche 1448 noch nicht nachgewiesen wird .Walkersbach lag lange Zeit inmitten eines großen Waldgebietes ohne brauchbare Wegeverbindung mit dem Remstal und der Höhe des Welzheimer Waldes. So waren für Walkersbach nur die Voraussetzungen für die Gründung einer Glashütte gegeben.

Im Jahre 1508 erscheint als erster Pächter der herzoglichen Glashütte, der Hüttenmeister Peter Greiner. In den folgenden 200 Jahren gehören alle Hüttenmeister der genannten Familie Familie an. Es kann fast von einem Monopol dieser Glasmacherfamilie gesprochen werden. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Familie Greiner die Rezepte für den Glasfluss geheimhielt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich später der Name Greiner auch in der schlesischen Glasindustrie findet. Der Pachtzins der Hütte Walkersbach betrug im Jahre 1685, 300 Gulden für die Glashütte samt Pochwerk, das sogenannte Herrenhaus, die Ställe und die Güter.

Für den Betrieb der Hütte wurden dem Hüttenmeister, rings um das Dorf, Waldabteilungen zugewiesen. Nach der Forstkarte des Kriegsrats Andreas Kieser vom Jahre 1685 war das in Frage kommende Waldgebiet zwischen Plüderhausen und Breitenfürst reiner Laubwald. Erst östlich von Walkersbach setzte das Nadelholz ein. Der Holzbedarf des Hüttenbetriebs war sehr bedeutend. Die Produktion von Grünglas (Flaschenglas) und gelblich schimmernden Glaserzeugnissen muss in der Blütezeit der Hütte ziemlich groß gewesen sein.

Die Walkersbacher Glashütte stand etwa 100 Meter vom Ortsausgang gegen Breitenfürst entfernt. Das Hüttengebäude beschreibt der Engelberger Forstmeister wie folgt: "Wie jedermann, der eine Glashütt` gesehen, bekennen muss, dass es ein bloßes Stockwerk ohne Einbau, ohngefähr einem Kelter gleich." In der Mitte der großen Halle stand der Glasofen. Ausserdem waren eine Reihe kleinerer Öfen da, in denen die fertig geblasenen Gläser abkühlen mussten. Die Hütte hatte wegen der großen Hitze keine Außenwände, jedoch ein festes Dach als Regenschutz. Den Rohstaff für die Glaserzeugung lieferte der in der Nähe reichlich zur Verfügung stehende Quarzsand. Dieser wurde aus den untersten Schichten des Stubensandsteins gewonnen. Neben der Glashütte stand das Pochwerk. Der Bach fließt heute noch durch den ehemaligen Werkkanal dieser Arbeitsstätte, die durch ein Wasserrad betrieben wurde. Im Pochwerk wurden die Sandsteine zu feinerem Sand zerstossen. Für feinere Glassorten verwendete man reine Quarze, die von den heimkehrenden Glastransporten – vom Moränenland südlich der Donau – mitgebracht wurden.

Als Flussmittel diente Pottasche, welche aus der Holzasche durch Auslaugen und Eindampfen der Lösung gewonnen wurde. Sieben Forstämter des Herzogtums Württemberg waren verpflichtet, die Asche für die Walkersbacher Glashütte zu liefern.

Viele Berufe fanden bei der Glasherstellung ihr Auskommen: Stampfmüller, die den quarzhaltigen Sandstein zu feinem Mehl mahlten. Holzschlepper, Scheithauer, Schürer, Aschenknechte, Ofenmaurer, Glasmacher, Laboranten, Packer und Glasträger.

Der Beruf des Glasbläsers verlangte nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch eine gewisse künstlerische Begabung. Die Glasbläser waren ständig großer, gesundheitsschädigender Hitze ausgesetzt. Sie schienen immer durstig gewesen zu sein. Von Erlach heißt es, dass die Glasmacher ihren Verdienst durch die Gurgel jagten. "Wann man glaset und denen immerdar zu trinken gibt, versäumen sie den Hüttenmeistern die Arbeit."

Es wird angenommen, dass zur Blütezeit der Glashütte alle Männer von Walkersbach im Dienst der Glashütte standen. Mit Zunahme der Glasproduktion klagten die Forstämter zunehmend über den Raubbau in ihren Wäldern.

Im 30jährigen Krieg stellte die Glashütte zeitweise ihren Betrieb ein, nachdem die fremden, eindringenden Heerscharen alles zerstörten und mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest war.

1687 schien die Glashütte endgültig vor der Einstellung ihrer Produktion zu stehen. Wegen andauernder und zunehmender Holzschlaghändel zwischen den Hüttenmeistern und der Forstverwaltung, schien der "Flecken ohne Land" zum Aussterben verurteilt. Die Einwohnerzahl von Walkersbach war bis auf 70 Personen abgesunken. 1703 beschwerte sich Hüttenmeister Hans Jakob Greiner beim Herzog über einen Forstmeister, weil dieser ihm verschiedene Strafen wegen unberechtigten Holzhauens auferlegt und ihm zu wenig Holz zugewiesen hatte. "Er habe 11 Laboranten und sei selbst ein armer, mit 9 Kindern beladener Mann."

1710 wird zum letzten Mal von der walkersbacher Glashütte berichtet. Am 10. Januar dieses Jahres erließ der Herzog ein Reskript (amtliche Verfügung) und befahl dem Stadtpfarrer zu Schorndorf und geistlichen Verwalter, "dass die Geschäfte der Laboranten zu Walkersbach ohne Abbruch des sonntäglichen Gottesdienstes eingerichtet, nicht weniger den eingerissenen Exzessen im Wirtshaus am heiligen Sonntag bei Zechen und Spielen mit vollem Ernst Nachdruck vorgebeugt werde." Der Keller von Schorndorf erhielt die Weisung, einen neuen Bestandsbrief (Pachtvertrag) aufzustellen und den berechtigten Klagen Greiners abzuhelfen. Trotzdem aber nahmen die Streitigkeiten kein Ende.

Am 28. November 1714 wurde die Glashütte als "abgegangen" bezeichnet. Als Schließung wird im allgemeinen das Jahr 1712 angenommen.

1715 erwarb Jakob Greiner für 40 Gulden das Herrenhaus aus herzoglichem Besitz. Hier wurde später das Gasthaus "Zur Krone" und die erste Walkersbacher Schule eingerichtet.

1990 kaufte die Gemeinde Plüderhausen das Herrschaftshaus als "dominierendes Gebäude" in der Ortsmitte. Das Haus "mit ortsgeschichtlicher Bedeutung" kam unter staatlichen Denkmalschutz und wurde grundlegend renoviert.

Die Flößerei am Walkersbach

Bäche und Flüsse waren für unsere Vorfahren zumeist Hindernisse, die ihr Fortkommen erschwerten. Aber die im bewegten Wasser wirkende Kraft ließ sich andererseits als Transportmittel nutzen. Vermutlich schon im 14. Jahrhundert wurde in Württemberg mit dem "Flözen" begonnen. Die erste urkundliche Nachricht von der Neckarflößerei geht auf einen herrschaftlichen Vertrag von 1342 zurück. Am spätesten hat sich die Flößerei auf der Rems und ihren Nebenbächen entwickelt. Nachweislich konnte seit 1628 auf den Remsseitenbächen (Wieslauf, Bärenbach und Walkersbach) Holz transportiert werden.

Geflößt wurde fast ausschließlich Scheiterholz, weil der Brennholzbedarf ständig zunahm. Das Wasser der Bäche reichte bald nicht mehr aus und es mussten deshalb Floßseen angelegt werden. Vom Stausee im Walkersbacher Tal wissen wir, dass er 1742, zirka 800 Meter südlich des Ortes, durch Forstmeister von Grassenberg aus Schorndorf durch vollständigen Umbau eines älteren Teiches gebaut wurde. Ausgeführt hat die Baumaßnahme der Seegräber Vogel aus Böblingen. Der Damm war 304 Fuß lang und 30 Fuß hoch. Der aufgestaute See fasst soviel Wasser, dass dieses für 2 - 3 Tage für die Flößerei ausreichte. Die floßbare Länge auf dem Walkersbach war ungefähr 5 km lang (Wieslauf - 22 km, Rems - 40 km).

Die reichlichen Holzmengen wurden von der Mündung des Walkersbaches auf der Rems abwärts bis Neckarrems geflößt. Dort wurde das Holz in einem "Holzgarten" gesammelt, später auf Schiffe verladen und Neckar abwärts befördert. Die Schwell -oder Treibseen waren aufwendige, floßtechnische Einrichtungen. Der Damm des Walkersbacher Floßsees wurde 1831 durch Ausmauerung verbessert. Den Bach begradigte man unterhalb des Schwellsees, nivellierte sein Gefälle und machte ihn für den Holztransport brauchbarer.

Das Brennholz wurde im Herbst in den angrenzenden Revieren aufbereitet und für den Transport auf dem Wasser bereitgestellt. Der Transport des Holzes zu dem Floßsee geschah im Winter auf Pferdeschlitten. Diese wurden von der herzoglichen Verwaltung gestellt und die verschneiten Wege für den Transport ausgebaut. Im Sommer lagen die Treibseen trocken und wurden für die Heugewinnung genutzt.

War der Treibsee im Winter voll und führte der Bach viel Wasser, dann war der große Tag gekommen, auf den man so lange hingearbeitet und gewartet hatte. Die "Holzeinwurfsakkordanten" warfen das Scheitholz von den Einwurfplätzen in den Floßbach, dessen Wasserführung aus dem Schwellsee verstärkt wurde. Die "Floßbetriebsakkordanten" hatten ihre Stiefelknechte (sogenannt wegen ihrer hohen Wasserstiefel) am Bach entlang aufgestellt. Sie hatten die Aufgabe, das hängen gebliebene Holz wieder flott zu machen. Alle 50 Meter stand ein Stiefelknecht zum reibungslosen Ablauf der Flößerei. Alle Mühlen am Bach mussten während des Flößens ihren Betrieb einstellen und mithelfen, die antreibenden Scheiter weiterzutreiben.

Die Walkersbacher Schule

1833 kaufte die Gemeinde Plüderhausen für Walkersbach das Gasthaus "Zur Krone" (früher Herrenhaus) um 1543 Mark und richtete darin eine eigene Schule ein. Bis dahin hatte das Dorf dem Schulmeister jährlich 15 Gulden Hauszins bezahlt, "wofür er neben seiner eigenen Wohnung auch für das Schullokal hat sorgen müssen." Für die Beheizung desselben hatte jedes Kind von "Martini bis Georgii jährlich 24 Scheiter Holz" mitzubringen. Die damaligen Schulmeister betrieben neben dem obligatorischen Mesnerdienst noch ein Handwerk, um ihren Lebensunterhalt und den ihrer oft großen Familie einigermaßen bestreiten zu können. So waren der Schulmeister Georg Brecht nebenbei noch Schneider und der Lehrer Johann Georg Brecht arbeitete zusätzlich als Schreiner.

Die Schule in Walkersbach war immer einklassig. Alle Schüler wurden stets nur in einem Raum unterrichtet. In roh gezimmerten, langen Holzbänken "kritzelten" vorne die "ABC-Schützen" mit Griffel auf ihren Schiefertafeln und in den hinteren Bänken schrieben die älteren Schüler mit Federkiel und Tinte. Zeitweise saßen mehr als 30 Kinder in der Enge der dunklen Schulstube. Bis 1802 wurde wöchentlich nur zweimal Unterricht gehalten. Später mussten alle Tage "etliche" Stunden zur Schule gegangen werden. Im Sommer fiel der Unterricht aus, weil die Kinder in der elterlichen Landwirtschaft zur Arbeit herangezogen wurden. Die Schulpflicht dauerte sechs, später sieben Jahre.

Der Unterricht bezog sich auf das Lesen des Katechismus, auf das Auswendiglernen und Memorieren von Bibelsprüchen und im Singen von Kirchenliedern. Wenn die Kinder einigermaßen lesen konnten, begann man mit dem Schreiben einfacher, meist religiöser Texte. Ab 1601 wurde den Schulmeistern in Württemberg erlaubt, den Schülern das Einmaleins und ein paar Grundrechenarten beizubringen. Jeden Montag mussten die Schüler zeigen, ob sie die Sonntagspredigt aufgenommen hatten. Der Erfolg schien unter diesen Umständen sehr fraglich gewesen zu sein. Die Dekane und Pfarrer, als Schulaufsichtspersonen, ermahnten deshalb die Schulmeister immer wieder zu Pflichterfüllung, Zucht, Ordnung und zur Kontrolle der überhandnehmenden Schulversäumnisse. Für alle Schüler wurden in den Pfarrämtern Kontrollbücher über die Leistungen und das sittliche Verhalten der Kinder geführt und aufbewahrt.

Das feste Einkommen des Schulmeisters in Walkersbach betrug um das Jahr 1840 jährlich 183 Mark. Darunter befanden sich fünf Mark und 14 Pfennig für das Weihnachts- und Neujahrssingen. Außerdem kam ein Gratial von zwei Scheffel Dinkel und zwei Strich Roggen hinzu. Bei den jährlichen Schulvisitationen (zum Beispiel am 2.4.1859) durch den Oberschulrat erhielten alle Kinder einen "Visitationswecken".

Die Kinder im Walkersbacher Tal waren aber nicht weniger fröhlich, ausgelassen und zu Streichen aufgelegt. So findet sich unter dem Datum vom 23. Mai 1876 beispielsweise im Kontrollbuch des Ortsschulrats folgende Eintragung: "Wegen Ausnehmens von Vogelnestern, Ruhestörung in der Sonntagsschule und unentschuldigtem Fernbleiben vom Unterricht...und...". Als Strafen wurden festgesetzt: zwei oder mehrere Tatzen, mehrstündiger Karzerarrest und Geldstrafen für schuldhafte Eltern.

Der Konfirmandenunterricht wurde bis 1855 in Oberurbach durchgeführt, damit die Gemeinde dem Vikar keine "Reisekostenentschädigung" zu zahlen brauchte. Als das königliche evangelische Konsistorium am 8. November 1855 anordnete, dass nunmehr der Konfirmandenunterricht in Walkersbach selbst stattfinden solle, schränkte es gleich ein: "In Anbetracht der notorischen Armuth des genannten Filials ist dem Vikar von Oberurbach eine außerordentliche Reisekostenentschädigung von 20 Gulden aus dem geistlichen Unterstützungsfonds auszuzahlen.

1909 wurde in Württemberg die kirchliche Schulaufsicht aufgehoben. Staatliche Bezirksschulämter mit pädagogisch vorgebildeten Schulräten wurden geschaffen. Walkersbach unterstand dem "königlich württembergischen Bezirksschulamt" beim Oberamt Welzheim. Am 26. Juli 1930 fand die Einweihung des neuen Schulhauses statt. Ursprünglich wollte man den Neubau auf der stelle des alten Schulhauses errichten. Da man aber nicht wusste, wo man während der Bauzeit die Lehrerfamilie unterbringen sollte, musste man an eine Versetzung denken und einen unständigen Lehrer in Walkersbach nehmen. Bei der festlichen Einweihung, an der die Honoratioren von Kirche, Oberamt und Gemeinde teilnahmen, erhielt jeder Schüler zwei Brote und eine rote Wurst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schulhaus renoviert und mit einer elektrischen Heizungsanlage ausgestattet. Man schaffte Lehr -und Lernmittel an und richtete eine umfangreiche Schülerbibliothek ein. 1962 erhielt der Flecken, anlässlich der 700 Jahrfeier, einen Fest- und Sportplatz beim Schützenhaus. Alt und jung freute sich darüber. Bis Ende der 60er Jahre besuchten die Walkersbacher Schüler ihre eigene Einklassenschule. Im Zuge der Schulreform wurden in dieser Zeit überall die Zwergschulen in Baden-Württemberg aufgelöst. Im ganzen Land entstanden große Schulzentren mit Grund-und Hauptschulen. So kam nach mehreren Jahrhunderten auch das Ende der Walkersbacher Schule.

Nach anfänglichem Widerstand der Eltern und einem einwöchigen Schulstreik am Ende der 60er Jahre werden die Walkersbacher Schüler mit dem Bus täglich zur Hohbergschule auf den Hungerbühl in Plüderhausen gefahren. Aus dem Schulhaus ist vor einigen Jahren ein schmuckes Dorfgemeinschaftshaus ("Bürgerhaus") geworden. In dem gründlich renovierten Gebäude sind neben dem Bürgersaal ein Sprechzimmer des Bürgermeisteramtes, der Kindergarten, ein Feuerwehrmagazin und im Dachgeschoss ein weiterer Versammlungs -und Übungsraum untergebracht.In diesem Jahr wurde ein Erweiterungsbau in Angriff genommen und abgeschlossen, der Platz für eine neue Küche geschaffen hat.

(Quelle: Heidl, Herbert, Die Teilgemeinde Walkersbach, in: Plüderhäuser Geschichtsblätter, Nr. 26/27 - im Oktober 1999)

Kleiner Abriss der kirchlichen und weltlichen Zugehörigkeit Walkersbachs

Aufgrund der sprachlichen Herkunft des Ortsnamens wird angenommen, dass Walkersbach lange vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1262 gegründet worden sein könnte. Die nun bald 730-jährige Geschichte des Dorfes berichtet von vielen Höhen und Tiefen, die seine Bewohner durchlebt haben. Die schon immer bestehende kirchliche Zugehörigkeit zu Urbach (früher Oberurbach) ist sicher. Aus Quellen wird berichtet, dass der Pfarrer von Oberurbach jährlich fünfmal Gottesdienst in Walkersbach zu halten hatte. nachdem Oberurbach vom Kloster Elchingen an das Herzogtum Württemberg übergeben wurde, hatte diese enge kirchliche Bindung zu Oberurbach zur Folge, dass auch die Reformation gemeinsam vollzogen wurde: Walkersbach wurde 1536 evangelisch.

Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, die Verfolgungs -und Notzeiten trafen das kleine Örtchen Walkersbach besonders hart. Die Armut wurde immer größer, ihre Kapelle wurde von durchziehenden Truppen der Kaiserlichen niedergebrannt. Wie wohltuend mögen da die trostspendenden Worte der Geistlichen gewesen sein, die oftmals versteckt beim Geiststein ihre Predigten halten mussten.

Mit der Neueinteilung des Oberamts Schorndorf und der Vereinigung des Oberamts Welzheim mit dem Klosteroberamt Lorch im Jahre 1806 vollzog sich 1807 der weltliche Wechsel Walkersbachs nach Plüderhausen. Kirchlich blieb die Versorgung von Urbach aus weiterhin bestehen. Beerdigungen fanden bis zum Jahr 1832 in Urbach statt, obwohl der Weg weit und beschwerlich war. Ein am 2. Dezember 1809 gestellter Antrag, der Pfarrei Welzheim zugeteilt zu werden, weil es nur "dreiviertel Stunden von uns entfernt ist", wurde abgelehnt.

Es ist sicherlich als große Erleichterung empfunden worden, als 1826 das neue Gotteshaus und sechs Jahre später ein eigener Friedhof eingeweiht wurden. Die weltliche Bindung an Plüderhausen verstärkte sich nach der überstandenen Schulreform. Die Walkersbacher Kinder besuchen seit 1968 von der ersten Klasse an die Schulen in Plüderhausen. So vollzog sich nun in letzter Konsequenz 1991 auch die kirchliche Anbindung nach Plüderhausen. Mit Wirkung vom 1. November 1991 an gehörte das ehemalige "Urbacher Filial" ganz nach Plüderhausen.

Die Petruskirche

Das früheste Dokument der Walkersbacher Kirche ist ein Schreiben von Papst Hadrian VI aus dem Jahre 1523, das im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt ist. Es war an den Benediktinerabt Hieronymus von Elchingen bei Ulm gerichtet, der damals Patronatsherr der Plüderhäuser Margaretenkirche und der Urbacher Afrakirche, wie auch der Walkersbacher Kapelle war. Jene Kapelle unterstand der Pfarrei in Oberurbach und war im Mittelalter für die Beschäftigten der Glashütte gebaut worden.

Auch bürgerlich war Walkersbach jahrhundertelang mit dem Unteramt Urbach verbunden. Eine selbständige Gemeinde war der Flecken nie. Mit der Errichtung des Oberamtes Welzheim im Jahre 1807 kam Walkersbach zur Gemeinde Plüderhausen.Dennoch blieb die evangelische kirchliche Verbundenheit nach Urbach bis 1990 erhalten. Viele hundert Jahre kam der Pfarrer von Urbach nach einem 1 1/2stündigen Fußmarsch regelmäßig zu seinen Walkersbachern, um in der kleinen Petruskirche, mit ihren herrlich musizierenden Engelsfiguren, zu predigen, Kranke in den Häusern zu besuchen, und lange auch Religionsunterricht zu halten, Kinder zu taufen, Erwachsenen den Bund der Ehe zu segnen und die Verstorbenen zur letzten Ruhe zu begleiten. Zu allen Gottesdiensten musste der Pfarrer von einem Bürger abgeholt und nach Urbach heimgebracht werden. Die Konfirmanden hatten den beschwerlichen Weg nach Oberurbach anzutreten. 1634, mitten im 30jährigen Krieg, brannte eine kaiserliche Streitschar das Kirchlein nieder, ohne Rücksicht auf den ihr einst geschenkten päpstlichen Schutzbrief. Mit Hilfe von Spenden aus dem Herzogtum konnte aber bereits 1669 wieder eine neue, sehr einfache Kapelle in der Nähe des Schulhauses erstellt werden.

1796 und 1817 drohte aber schon wieder der Einsturz des baufälligen Gotteshauses und es musste deshalb geschlossen werden. Am 1. Oktober 1826 durfte endlich nach großen Mühen in Walkersbach eine neue, schöne Kirche eingeweiht werden. Die Kosten von 2116 Mark und 50 Pfennig kamen durch freiwillige Spenden aus dem ganzen Land zusammen. Im Ort ging der Spruch um: "Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ihr Nest, nämlich Altäre, Herr Zebaot, mein König und mein Gott." Während früher alle Verstorbenen von Walkersbach nach Oberurbach gebracht werden mussten, konnte 1969 endlich von der Gemeinde Plüderhausen ein eigener Friedhof in schöner Lage am Südhang angelegt werden.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Kirchengemeinde Walkersbach zunehmend selbständig. Sie erhielt einen eigenen Kirchengemeinderat, der seine Entscheidungen weitgehend selbständig treffen durfte. Nur noch der Urbacher Pfarrer konnte als Vorsitzender dieses Gremiums mitbestimmen.

Als im Zuge der Schulreform in den 60er Jahren die ganze Schule nach Plüderhausen verlagert wurde, äusserte man mehr und mehr den Wunsch, dass die immer enger werdende Verbindung mit der kommunalen Muttergemeinde nun auch von kirchlicher Seite unterstützt werden sollte. Schließlich gab der Oberkirchenrat dem bezugnehmenden Antrag des evangelischen Kirchengemeinderats statt. Auch der Kirchengemeinderat von Plüderhausen stimmte der Angliederung an die neue Muttergemeinde zu. So ging im Oktober 1991 für die evangelischen Bewohner in Walkersbach eine vielhundertjährige Tradition zu Ende.

Die Kirchengemeinde Walkersbach wechselte ihre Zugehörigkeit von Urbach zu jener von Plüderhausen. In einem Festgottesdienst wurde in der Walkersbacher Petruskirche die Seelsorge am 27. Oktober 1991 an die neue "Muttergemeinde" Plüderhausen übergeben. Letzter Urbacher Pfarrer war Konrad Rebstock. Er übergab die Altarbibel an die Plüderhäuser Pfarrerin Helga Niemietz. Die evangelische Kirchengemeinde bleibt dennoch selbständig, lediglich die seelsorgerische und die verwaltungsinterne Betreuung erfüllt seit dem das Pfarramt II in Plüderhausen.

Die katholischen Mitbürger, die in der Nachkriegszeit nach Walkersbach kamen, gehörten von Anfang an zur Herz-Jesu-Kirche in Plüderhausen. Einmal in der Woche (montags) kam der katholische Geistliche, Pfarrer Karl Blum, nach Walkersbach und las in der Petruskirche eine heilige Messe für die katholischen Christen. Seit 2003 ist Herr Pfarrer Blum in Pension. Der Gottesdienst findet nun nicht mehr statt.

(Quelle: Heidl, Herbert, Die Teilgemeinde Walkersbach, in: Plüderhäuser Geschichtsblätter Nr. 27-im Oktober 1999)

Ortsbroschüre 2014

Die Informationsbroschüre soll Ihnen als Orientierungshilfe dienen und Wissenswertes über Einrichtungen und Organisationen vermitteln.

Hinweis

Den Seiteninhalt hat Herr Fritz Fuchs aus Walkersbach verfasst. Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt per E-Mail an ihn.

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