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Remstal
Gartenschau 2019

Aus Plüderhausen

Bodenschutzkalkung auf Landeswaldflächen

Artikel vom 17.08.2022

Bodenschutzkalkung auf Landeswaldflächen in den Forstbezirken Schwäbisch-Fränkischer Wald und Schurwald

Kalkung als eine Strategie zur Anpassung der Wälder im Klimawandel

Der Klimawandel stellt die Wälder derzeit vor besonders große Herausforderungen. Trockenheit, Stürme und Schädlinge stressen die Bäume. Die Wissenschaft sieht in der Bodenversauerung einen weiteren Auslöser für die Waldschäden. Die Kalkung der Waldböden ist daher eine wichtige Strategie zur Anpassung der Wälder in Zeiten der Klimakrise.

„Mit der gezielten Bodenschutzkalkung unterstützen wir unsere Waldböden und mildern die negativen chemischen Prozesse im Untergrund ab“, erläutert Anton Watzek, Leiter des Forstbezirks Schurwald mit Sitz in Göppingen. „In den letzten 70 Jahren haben viele unserer Waldböden durch Luftschadstoffe und Säureeinträge stark gelitten. Zwar ist die Säurebelastung des Waldbodens dank der Luftreinhaltemaßnahmen reduziert worden, jedoch bleibt die Bildung von Stickstoffverbindungen weiterhin hoch und belastet die Waldökosysteme. Zudem ist eine Säurealtlast aus den 70er- und 80er-Jahren in den Waldböden zurückgeblieben“. Intakte Waldböden sind die Lebensgrundlage für gesundes Waldwachstum und für die langfristige Erhaltung der Waldfunktionen äußerst wichtig. Forscher gehen davon aus, dass Bäume in versauerten Böden flacher wurzeln und dort noch anfälliger für Trockenstress sind. Sie raten daher dringend, für die Entwicklung klimastabiler Wälder durch menschlichen Einfluss versauerte Böden zu kalken. Von Natur aus saure Böden stehen nicht im Fokus und ökologisch sensible Bereiche wie Quellen werden bei der Kalkung konsequent ausgespart.

Die zweite bundesweite Erhebung des Bodenzustands hat gezeigt, dass sich die Situation versauerter Waldböden mit dem Ausbringen von Kalk verbessern lässt. Das gemahlene oder zerkleinerte Gestein erhöht den pH-Wert der Waldböden, die Sättigung mit wichtigen Nährelementen nimmt dadurch wieder zu. Im Ergebnis steigt damit die Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen spürbar an, was auch die Kohlenstoffspeicherung in den Böden verbessert.

Seit rund zehn Jahren werden in Baden-Württemberg zur Bodenschutzkalkung Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser eingesetzt. Das Material wird entweder mit Hubschraubern ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen.

Dieses Gemisch ist für Waldbesucher ungefährlich. Allerdigns kann es zur Bildung von Klumpen kommen, die geschossartig herabkommen und zu Verletzungen führen können. Während der Ausbringungsarbeiten werden die betroffenen Waldbereiche daher abgesperrt, dadurch kann in dieser Zeit der Waldzutritt teilweise eingeschränkt sein. „Waldbesuchende sollten die Sperrhinweise beachten, denn es ist mit einem erhöhten LKW-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie herabrieselndem Kalkstaub aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen und es wird allgemein staubig werden", betont Martin Röhrs der Forstbezirksleiter des Schwäbisch-Fränkischen Waldes mit Sitz in Welzheim. Idealerweise sollte man in diesen Bereichen vor dem nächsten Waldbesuch einen Regenschauer abwarten, der den Kalkstaub vollends in den Boden spült.

Ab der vierten Augustwoche findet auf ca 400 ha Staatswaldfläche des Reviers Eulenhof eine Waldbodenschutzkalkung mit Hubschrauberausbringung statt.

Das zu kalkende Waldgebiet liegt nordöstlich von Plüderhausen, zwischen Urbach und Lorch-Weitmars. Das Remstal grenzt die Fläche im Süden ab. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der Forstbezirk Schurwald kalkt südlich der Achse Winterbach/Schorndorf zwischen der L1150 (Engelberg) und Oberberken bis zur Landkreisgrenze. In den Revieren Winterbach und Oberberken werden rund 1.000 ha bearbeitet. Planmäßig soll die Maßnahme Ende September abgeschlossen sein.

Hintergrundinformation

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 39 Prozent von Wald bedeckt.

Bodenversauerung

Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand eine für viele Bodenlebewesen nicht lebensfähige Umgebung. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit dem Kalkungskonzept von ForstBW soll ein natürlicher Bodenzustand, als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den Klimawandel erreicht werden.

Bodenschutzkalkung in den Forstbezirken Schwäbisch-Fränkischer Wald und Schurwald

Für die Planung der Kalkung wurden zahlreiche in einem Geoinformationssystem erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen und durch Bodenproben im Staatswald ergänzt. Auf diesen Grundlagen wurden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage dienen. Darin sind Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme vor Ort von den Forstleuten überwacht.

Über ForstBW

Die Anstalt öffentlichen Rechts Forst Baden-Württemberg (ForstBW) arbeitet seit dem 01.01.2020 als eigenständiges Unternehmen. ForstBW trägt die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320.000 ha Staatswald - das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs - und ist damit der größte Forstbetrieb des Landes. ForstBW setzt sich zum Ziel ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich zu arbeiten. Im Sinne des Waldes und der Menschen bildet das Prinzip der Nachhaltigkeit die Grundlage unserer Tätigkeit. Dazu tragen landesweit ca. 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei.

 (Pressemeldung: ForstBW)

Kalkausbringung mit dem Hubschrauber (Bildquelle: T. Scheuermann)

Weitere Informationen

Gemeinde Plüderhausen
Am Marktplatz 11
73655 Plüderhausen
07181 8009-0
07181 8009-7000
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